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Lehrraumprinzip an der Realschule hat sich bewährt

Lehrerraum„Alles verläuft viel entspannter“

Um eine möglichst angenehme Lernatmosphäre zu schaffen, setzt die Westerkappelner Realschule seit Jahren auf das „Lehrerraumprinzip“. Das kommt auch bei den Schülern an.

Können Grünlilie, Drachenbaum und Co. den Lernerfolg von Schülern beeinflussen ? Haben Tierbilder und Kunstdrucke einen positiven Effekt auf das Gehirn? Nein – ganz so einfach ist es wohl doch nicht, günstige Bildungsvoraussetzungen für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Dennoch: Je wohler man sich in einem Raum fühlt und je stressfreier das Umfeld gestaltet ist, desto leichter fließen oftmals die Gedanken. Um eine möglichst angenehme Lernatmosphäre zu schaffen, setzt die Westerkappelner Realschule daher seit Jahren auf das „Lehrerraumprinzip“.

Das Konzept hat sich bewährt und soll – so hat Manfred Stalz, der mit der Entwicklung beauftragte Pädagoge, in Aussicht gestellt – auch in der neuen Gesamtschule Eingang finden.

Wenn Schulräume nicht mehr einer Klasse zugeordnet sind, sondern einem Lehrer, ändert sich Manches. Ganz pragmatisch: Zwischen den einzelnen Unterrichtsfächern sind fünf Minuten Zeit für den Weg von einem Raum zum nächsten für die Schüler eingeplant. Der Nachteil ? „Wir sind entsprechend oft unterwegs“, sagt Jana Coersmeier aus der sechsten Klasse. „Dadurch bewegen wir uns allerdings auch mehr und sitzen nicht die ganze Zeit auf unserem Platz.“

Also irgendwie auch ein Vorteil ? „Man gewöhnt sich an das Rumgelaufe“, meint Zehntklässlerin Katharina Hens. „Es ist ja auch nicht so, dass wir dabei immer unsere ganzen Sachen mit herumschleppen müssten“, ergänzt sie und leitet damit zu einem besonders aus Lehrersicht wichtigen Aspekt über: Das Unterrichtsmaterial für die einzelnen Fächer befindet sich obligatorisch im jeweiligen Lehrerraum.

„Bücher und Arbeitshefte halte ich hier als Klassensatz vor“, erklärt Manuela Lutterbeck, Lehrerin für Mathe und Politik, die auch in der pädagogischen Arbeitsgruppe für die Gesamtschule mitwirkt. Vorteil ? „Die Schüler können ihre eigenen Bücher zum Lernen zu Hause lassen – und die Taschen werden deutlich leichter.“

Weiterer Pluspunkt für das System: „Weil ich als Lehrerin für meinen Raum und dessen Ausstattung verantwortlich bin, überlege ich mir frühzeitig, was ich brauche und kann mich darauf verlassen, dass die Sachen da sind und funktionieren.“ Ob Tageslichtprojektor oder Beamer, Lernspiel, Kreide oder Verlängerungskabel.

Manuela Lutterbeck holt ihren Schlüssel heraus und öffnet die Tür zu ihrem Raum. „Ich bin nicht der Blümchentyp“, warnt sie schon mal vor. Sieht man gleich: Die Fensterbänke sind frei von jeglichem Grünzeug. Und sehr sauber.

Wie alles andere auch: keine zerknüllten Zettel auf dem Fußboden, keine zerrissenen Bilder und keine beschmierten Möbel. Stattdessen sind die von ihren Schülern gestalteten Lernplakate ordentlich an den Wänden befestigt. Lutterbeck erläutert: „Weil es mein Raum ist, kann ich Ergebnisposter oder zusätzliche Informationen auch mal ein paar Wochen hängen lassen und langfristig in den Unterricht einbeziehen.“ Sie blickt sich um und nickt zufrieden: „Alles verläuft viel entspannter“, sagt sie. Die Kollegen seinen deutlich weniger gestresst, die Schüler merklich konzentrierter.

„Also, ich finde es schön, dass immer schon ein Lehrer im Raum ist, der uns begrüßt, wenn wir ankommen“, sagt Katharina. Man fühle sich willkommen und es herrsche deutlich weniger Unruhe. „Es ist auch interessant, wie jeder Lehrer seinen Bereich anders gestaltet“, ergänzt Jana. „Manchmal freue ich mich schon richtig auf die nächste Stunde, weil mir dort der Raum so gut gefällt.“

Die Pädagogin sieht das ähnlich. „Die Schüler kommen in eine vorbereitete Umgebung“, fasst sie zusammen. „Es vergeht keine wertvolle Zeit: Die Tische sind sauber und leer, es braucht nichts ein- oder ausgepackt zu werden, es fehlt nichts – wir können sofort starten.“

Falls die Gesamtschule zum nächsten Schuljahr kommt, hoffen Pädagogen und Schüler der Realschule, dass das Lehrerraumprinzip an der Realschule bleibt, auch wenn die Schüler der neuen Schulform und ihre Lehrer eigene Räume brauchen, deren Zahl nun einmal begrenzt ist. „Warum etwas abschaffen, was sich so gut bewährt hat?“, fragt sich nicht nur Grit Winkler von der Elternpflegschaft der Realschule.

Auch die Lehrer sind beunruhigt: „Das schwebt wie ein Gespenst über uns“, sagt Manuela Lutterbeck. „Die Wiedereinführung des Klassenraumprinzips wäre aus pädagogischer Sicht ein klarer Rückschritt für uns.“

Noch ist allerdings ungewiss, was auf die Realschüler, ihre Lehrer und Eltern zukommen und wie genau die „Abwicklung“ ihrer Schulform – gegebenenfalls – von statten gehen wird. Schließlich ist die Einführung der Gesamtschule erst dann spruchreif, wenn die erforderlichen 100 Anmeldungen aus Westerkappeln und Lotte vorliegen.

Während einer Informationsveranstaltung im November hatte Gabriele Mecklenbrauck als Leitende Regierungsschuldirektorin allen Betroffenen aber dazu geraten, mit den Kollegen der jeweils anderen Schulform zu kooperieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Westfälische Nachrichten vom 22. 12. 2013 - Ulrike Havermeyer

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IHK-Projekt „Partnerschaft Schule – Betrieb“

Kooperation LidlAuch Lidl will bei der Berufswahl helfen

Auch die Lidl Vertriebs-GmbH & Co. KG in Westerkappeln unterstützt die Realschule Westerkappeln künftig bei der Berufsorientierung. Vertreter von Unternehmen und Schule haben jetzt – wie zuvor bereits die Firma Hagebau (WN berichteten) einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Die Zusammenarbeit ist eingebunden in das Projekt „Partnerschaft Schule – Betrieb“ der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen. Für Lidl ist es laut Mitteilung der IHK die erste Partnerschaft in diesem Rahmen.

Lidl-Filialen bestehen heute in fast allen Ländern Europas. Lidl verfügt nach eigenen Angaben über das größte Netz an Discount-Lebensmittelmärkten in Europa. Über das Zentrallager in Westerkappeln werden knapp 100 Märkte in der Region logistisch versorgt und betreut. Für Lidl ist es inzwischen die fünfte, für die Realschule Westerkappeln die zweite Partnerschaft im Rahmen des IHK-Projektes.

„Ziel ist, Schülern die Arbeitswelt so zu zeigen, wie sie ist – mit ihren Möglichkeiten und auch ihren Anforderungen“, erklärte IHK-Projektleiter Johannes Wunsch. Viele Jugendliche hätten nur ungenaue Vorstellungen von den Karrierechancen im dualen Ausbildungssystem und setzten darum vorschnell ihre Schulkarriere fort, obwohl ihnen eine Berufsausbildung ausgezeichnete Aussichten biete.

Bei Betriebsbesichtigungen, Informationsveranstaltungen und im Praktikum sollen die Realschüler künftig die Arbeitsabläufe im Zentrallager als auch in der Filiale in Westerkappeln kennenlernen. Im Bewerbungstraining mit Ausbildungsleiterin Jennifer Hensiek können die Jugendlichen üben, wie man schriftliche Bewerbungen formuliert und auf was es im Vorstellungsgespräch ankommt.

Mitarbeiter und Auszubildende von Lidl werden ihnen laut Mitteilung Ausbildungsberufe vorstellen und Karrierewege im Unternehmen aufzeigen.

Lidl will sich zudem am Girls- und Boys-Day beteiligen und Erkundungsplätze für Schülerinnen und Schüler der achten Klassen zur Verfügung stellen.

Bei Partnerschaft Schule-Betrieb geht es aber nicht nur um Berufsorientierung. Mit dem Projekt wolle die IHK die Unternehmen auch bei der Sicherung des Fachkräftenachwuchses unterstützen, erläutert IHK-Projektleiter Wunsch. „Der Schlüssel zum Erfolg ist das persönliche Kennenlernen: Die Schüler erkennen ihre Interessen und das Unternehmen findet Talente, die es zu fördern lohnt, auch wenn das Zeugnis auf dem ersten Blick etwas anderes sagt.“

Lidl-Ausbildungsleiterin Jennifer Hensiek unterstrich angesichts sinkender Schulabgängerzahlen die Notwendigkeit, keine Talente unentdeckt zu lassen: „Um unser Unternehmen nachhaltig weiterzuentwickeln, müssen wir schon heute offensiv auf die jungen Leute zugehen und immer wieder begabte und motivierte Jugendliche entdecken, ausbilden und fördern.“

Ansprechpartner der IHK für das Projekt „Partnerschaft Schule – Betrieb“ im Münsterland sind Johannes Wunsch, ?? 0251/707-304, und Sandra Beer, ??0251 707-305.

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Projekt der Industrie- und Handelskammer

KooperationhagebauHagebau und Realschule sind Partner

Das Hagebau-Zentrallager in Velpe und die Realschule Westerkappeln sind jetzt Partner. Die Zusammenarbeit ist eingebunden in das Projekt „Partnerschaft Schule – Betrieb“ der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen. Die beiden Beteiligten versprechen sich eine Win-Win-Situation.

Den Fachkräftemangel sehen die Unternehmen in der Region in den nächsten fünf bis zehn Jahren als größtes Problem an. Das hat eine am Mittwoch vorgestellte Arbeitgeberumfrage der Managementagentur Münsterland e.V. ergeben. Die Betriebe bemühen sich umso mehr, genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Für einen Logistiker wie Hagebau in Velpe ist das alles andere als ein Selbstläufer. „Uns kennt ja kaum einer“, beschreibt Christian Paul, Kaufmännischer Leiter des Zentrallagers im Industriegebiet, das Dilemma. Sich einen Namen zu machen, muss also die Devise sein. Einen guten Ansatz sieht das Unternehmen in einer Kooperation mit der Realschule Westerkappeln.

Diese haben Paul und Schulleiter Ralf Kutschwalski am Mittwoch mit ihrer Unterschrift besiegelt. Die Zusammenarbeit ist eingebunden in das Projekt „Partnerschaft Schule – Betrieb“ der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen. Das Hagebau Zentrallager und die Realschule machen erstmals mit.

Die beiden Beteiligten versprechen sich eine Win-Win-Situation. Hagebau möchte sich vor Ort als ein für Jugendliche interessanter Arbeitgeber bekannt machen. „Die Bewerber kommen bislang fast ausschließlich über die Arbeitsagentur“, berichtet Christian Paul. Zwar zähle Hagebau mit rund 125 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern in der Gemeinde Westerkappeln, als Zentrallager für die gleichnamige Baumarktkette trete der Betrieb in Velpe aber nur nach innen auf. „Das macht die Personalsuche natürlich schwieriger“, weiß Paul.

Für Kutschwalski bietet die vereinbarte Kooperation eine gute Möglichkeit, Schule und Arbeitswelt miteinander näher in Kontakt zu bringen. „Viele Schülerinnen und Schüler können sich ein Leben nach der Schule gar nicht vorstellen und gehen deshalb nach ihrem Abschluss bei uns nur deshalb weiter zur Schule. Diese Hilflosigkeit gilt es aufzubrechen.“

„Durch solche Kontakte sinkt bei den Schülern vielleicht auch die Hemmschwelle, eine Bewerbung loszuschicken“, hofft Volker Lünnemann, Berufswahlkoordinator an der Realschule. Auch Johannes Wunsch, Projektleiter bein der IHK, sieht in der Kooperation einen Beitrag zur Verbesserung der Berufswahlorientierung. Bis jetzt seien aus dem IHK-Projekt heraus 68 Ausbildungsplätze entstanden – bezogen auf die Partnerschaften, die schon länger als ein Jahr laufen. Er kenne auch keinen Fall, wo eine Kooperation wieder aufgelöst worden sei.

Was aber wollen Hagebau und Realschule miteinander anfangen ? „Wir haben schon im Vorfeld besprochen, wie wir das mit Leben füllen können“, betont Jana Hinze, Personalreferentin bei Hagebau. Bei Betriebsbesichtigungen oder im Praktikum können die Realschüler beispielsweise die Arbeitsabläufe im Zentrallager kennenlernen. Oder im Fach Sozialwissenschaften erklären Führungskräfte den Schülern Aufbau, Struktur und Funktionsbereiche des Un-ternehmens und welche Rolle die Logistik in der Wirtschaftswelt spielt.

„Im März wollen wir einen Bewerbertag bei uns anbieten. Dazu sollen auch Firmen von außen kommen“, kündigt Lünnemann an. Dass Hagebau eingeladen wird, ist jetzt wohl selbstverständlich. Bei diesem Berufsinformationstag der Schule wollen Mitarbeiter der Hagebau-Personalabteilung den Jugendlichen die Ausbildungsberufe vorstellen und ihnen die Karrierewege im Betrieb aufzeigen.

Im Moment bildet das Unternehmen in Velpe fünf Lehrlinge für den Groß- und Außenhandel sowie drei in der Lagerlogistik aus. Christian Paul deutet aber an, dass Hagebau diese Zahlen in der Zukunft aufstocken will, um mehr qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen.

Kutschwalski erkennt deshalb auch ein Umdenken bei den Arbeitgebern. „Vor fünf, sechs Jahren war es viel schwerer für uns, Kontakte zu Unternehmen zu bekommen.“

Westfälische Nachrichten vom 13. 12. 2013 - Frank Klausmeyer

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Elisa Taudien gewinnt Vorlesewettbewerb

Vorlesewettbewerb„Von Idioten umzingelt“ überzeugend vorgetragen

Elisa Taudien hat geübt, geübt und geübt. Die Mühen haben sich gelohnt. Denn die Sechstklässlerin wird die Realschule Westerkappeln Anfang des kommenden Jahres beim Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vertreten.

Geübt, gelesen, aufs Handy aufgenommen, dem Papa vorgespielt. Geübt, gelesen, sich beim Klassenentscheid der 6a durchgesetzt. Geübt, gelesen, im Schulentscheid die Nase vorn gehabt. Die Mühen haben sich gelohnt, Elisa Taudien wird die Realschule Westerkappeln Anfang des kommenden Jahres beim Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels vertreten.

Sie war in der Finalrunde als letzte nach ihren vier Mitschülerinnen und ihrem Mitschüler angetreten und hatte mit ihrem souveränen Auftritt die Jury überzeugt.

Dabei war sie ganz schön aufgeregt, als sie erst aus ihrem Lieblingsbuch „Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt!“, und danach eine unbekannte Passage aus „Luca Puck und der Herr der Ratten“ von Michael Kleeberg vor großem Publikum las. Sich allen Mädchen und Jungen ihrer Jahrgangsstufe und der Jury mit den Klassenlehrerinnen Agrita Hinz, Anja Pentermann und Sabine Schildt sowie der Leiterin der Schulbücherei, Margaretha Deimann, und Schulleiter Ralf Kutschwalski zu stellen, war schon eine andere Nummer als die Vorrunde in der Klasse.

Doch die Zuhörer machten es Elisa und den anderen Finalisten leicht. Sie waren mucksmäuschenstill, hörten gespannt zu und sparten nach dem Schlusssatz nicht mit Applaus.

Auch Sophie Klein (6c) und Isabell Kraschewski (6b) waren vor der letzten Vorleserunde in der Aula der Realschule ziemlich nervös, obwohl sie sich auf den großen Tag gut vorbereitet und mit ihren Eltern geübt hatten. Die beiden Sechstklässlerinnen belegten hinter Elisa die Plätze 2 und 3.

Damit ihnen das Lesefutter nicht ausgeht, schenkte Schulleiter Kutschwalski jedem der Mädels ein Buch. „Bücher sind so wichtig“, freut sich Klassenlehrerin Agrita Hinz über die Geste. „Das ist Kino im Kopf, da kann man in anderen Welten eintauchen“, schwärmt sie.

Fünf Mädchen und ein Junge in der Finalrunde? Für die Jurymitglieder ist das der Klassiker schlechthin. Mädchen seien leichter zum Lesen zu motivieren, vermutet Margaretha Deimann.

Elisa Taudien wird nun weiter üben, üben, üben, um Anfang des Jahres beim Kreisentscheid ebenfalls vorne mitzulesen.

Westfälische Nachrichten vom 08. 12. 2013 - Dietlind Ellerich

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Zeitzeugin Wieslawa Borysiewicz hat Auschwitz überlebt

Häftlinge im KZ Auschwitz-Birkenau: Auf engstem Raum hatten die Nazis die Gefangenen zusammengepfercht. Foto: dpaPeitschenhiebe für ein paar Schuhe

Wieslawa Borysiewicz ist 15 Jahre alt, als sie nach Auschwitz-Birkenau kommt. Ungefähr genauso alt sind ihre Zuhörer in der Realschule Westerkappeln. Was und wie sie über das Vernichtungslager der Nazis erzählt, ist sicherlich nicht in einem Lehrbuch zu finden und löst deshalb in der Aula wohl bei allen den Jugendlichen beklemmende Gefühle aus.

Die Zehntklässler der Realschule behandeln zurzeit im Geschichtsunterricht das Thema „Nationalsozialismus“. Wieslawa Borysiewicz kommt aus Polen. Ihre eindringliche „Geschichtsstunde“ hat die Maximilian-Kolbe-Stiftung ermöglicht, die sich die Versöhnungsarbeit – namentlich zwischen Deutschen und Polen – zur Aufgabe macht.

Wieslawa Borysiewicz erzählt den Realschülern von Schuhen. Sie muss im Konzentrationslager Kleidung sortieren. Sie nutzt ihre Aufgabe, um für sich und ihre Mutter bessere, weil wärmere, Schuhe zu ergattern. „Heute mögen sie das stehlen nennen, wir nannten das organisieren.“ Die Sache fliegt auf, die Wache entdeckt bei der „Stubenkontrolle“ die Schuhe und nimmt sie mit. Es ist Winter. Kurz vor dem Abendappell. Gleich heißt es Antreten. Draußen. Im Januar. Bei Minusgraden. Der Wachmann kommt zurück mit den Schuhen. Hat er ein Einsehen?? Hat er Mitleid??

„Er brachte die Schuhe, und wir bekamen unsere Strafe.“ Ganz sachlich gehen Wieslawa Borysiewicz auf polnisch die Sätze über die Lippen. Ihre Dolmetscherin Marianne Drechsel-Gillner übersetzt: „Der Mann hatte eine Peitsche, an deren Ende eine bleierne Ellipse war. Ich habe nur die ersten zwei Schläge gespürt. Mehr weiß ich nicht mehr genau. Mein Körper war dunkelblau. Zwei Wochen konnte ich kaum liegen.“

Nach Auschwitz war Wieslawa Borysiewicz im August 1944 gekommen, als die Nazis aus Rache über den Aufstand im Warschauer Ghetto ganze Häuserzeilen willkürlich deportieren. Ihre ganze Familie – Schwester, Bruder, Vater und Mutter – kommt ins Lager.

Sie berichtet den Schülern von den überfüllten Viehwaggons, in die sie gepfercht sind. Von der Ankunft im Lager. Von der Selektion an der Rampe. Von dem Moment, wo sie ihre Lagerkleidung bekommen, wo sie alles abgeben müssen. Sogar ihren Namen. Jetzt sind sie eine Nummer, die sie auswendig lernen müssen. Sie tragen den „roten Winkel“. Sie gelten als politische Häftlinge.

Wieslawa Borysiewicz (rechts) hat das Vernichtungslager Auschwitz überlebt. Gedolmetscht von Marianne Drechsel-Gillner erzählte sie in der Realschule von ihren schrecklichen Erlebnissen. Foto: Karin C. PunghorstWieslawa Borysiewicz hat den Terror der Nazis überlebt. Im Januar 1945 beginnt die Evakuierung von Auschwitz. Mit einem Transport werden sie und ihre Mutter zunächst nach Berlin gebracht. Dorthin kommen sie nach einer Zwischenstation zurück und werden schließlich von den Alliierten befreit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt für Wieslawa Borysiewicz ein neues Leben. Sie lernt Technik und Betriebswirtschaft. Sie heiratet, bekommt Kinder und hat heute drei Enkelkinder und drei Urenkel.

Westfälische Nachrichten vom 21. 10. 2013 - Karin C. Punghorst