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Vorlesewettbewerb in der Realschule

20061207wn"Jeder hat gewonnen"

Vorlesewettbewerb in der Realschule / Mädchen schmökern mehr

"Natalie hastet ein wenig durch den Text, zwar schnell und flüssig, irgendwie jedoch ohne Punkt und Komma. Das klappt beim nächsten Text, den sie noch nie gelesen hat, etwas besser. Hier und da gerät die Sechstklässlerin kurz ins Stocken, im Großen und ganzen liest sie aber fehlerfrei. Zu einem der ersten drei Plätze beim Vorlesewettbewerb der Realschule reichte es gestern allerdings nicht.
Aber sie gehört trotzdem zu den Siegern, wie Deutschlehrer Alfons Hüttermann betont. Schließlich haben nur die Klassenbesten vorgelesen.
Seit Jahren beteiligt sich die Realschule mit ihren sechsten Klassen am Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Vor der gestrigen Endrunde in der Aula wurden die jeweils zwei Klassenbesten ermittelt. 'Teilweise sind die auch von ihren Mitschülern gewählt worden', berichtet Jutta Lux, die wie Hüttermann und der Kollege Joachim Kuchenbäcker in der dreiköpfigen Jury saß.
Das Vorlesen verlangt schon etwas Mut. Schließlich müssen die Jungen und Mädchen vor ihrem versammelten Jahrgang vortragen, was durch die Unruhe im Publikum nicht unbedingt leichter wird. Lehrer Hüttermann muss schon einmal in strengem Ton dazwischenfahren.
Zunächst durfte jeder der acht Kandidaten aus seinem Lieblingsbuch vorlesen. Dann kam der Pflichttext. 'Der ist meistens mäßig', meinte Rektor Franz-Josef Schlie.
Die vorgegebene Lektüre war dieses Mal 'Matilda' von Roald Dahl. Das Mädchen ist ein Kind dümmlicher Eltern, selbst aber von bemerkenswerter Intelligenz. Sie bringt sich schon im Kindesalter alleine das Lesen, Schreiben und Rechnen bei.
Ganz solche Überflieger sind die Vorleser wohl nicht, aber schließlich leben sie auch in der Wirklichkeit und nicht im Roman.
Bewertungskriterien für die Jury sind das Textverständnis, die Lesetechnik und die Textgestaltung, also, inwieweit es gelingt, die Stimmung und Atmosphäre einer Geschichte einzufangen und umzusetzen. Ihre Aufgabe meistern die Schüler ganz gut.
Am Ende kürt die Jury Jannik Neuhaus zum Sieger. Er darf nun auf Kreisebene vorlesen. Zweiter wird Leon Fischer, Dritte Lisa Lucas, wobei die Jury klarstellt, dass die Unterschiede zwischen den Teilnehmern nur ganz gering waren.
Zwar landen heute zwei Jungen vorne, die Mädchen sind aber mit sechs Akteurinnen klar in der Überzahl. Kein Zufall: 'In dem Alter lesen Mädchen mehr und besser', sagt Jutta Lux.
Schulleiter Schlie äußert die Hoffnung, 'dass der Wettbewerb dem einen oder anderen Appetit auf das Lesen gemacht hat.' Dieser nimmt nämlich bei Kindern und Jugendlichen zunehmend ab. 'Mit zehn, zwölf Jahren lässt die Lesebegeisterung oft nach, weil dann der Computer kommt', bedauert Jutta Lux ein wenig.

Westfälische Nachrichten vom 7. 12. 2006 - Foto: Frank Klausmeyer