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Realschule mit neuem Konzept:

20061028wtNach amerikanischem Vorbild

Realschule mit neuem Konzept: Statt Klassenzimmer gibt es jetzt Lehrerräume

"Wenn von 'amerikanischen Verhältnissen' an deutschen Schulen die Rede ist, bedeutet das zumeist nichts Gutes, weil damit vielfach zunehmende Gewalt umschrieben wird. Doch im Fall der Westerkappelner Realschule ist das anders. Hier ist nach den Sommerferien ein so genanntes Lehrerraumkonzept eingeführt worden. Nicht mehr die Klassen haben nun ihre festen 'Klassen', sondern die Pädagogen. Wie in den USA.
In dieser Woche ist während einer Schulkonferenz eine erste Bilanz gezogen worden. Im Mai hatte das Gremium beschlossen, das Lehrerraumkonzept zu erproben. Nun, so Schulleiter Franz-Josef Schlie, zeichne sich bereits ab, dass aus der Probephase eine Dauereinrichtung wird.
Dabei verschweigt Schlie nicht, dass es zu Beginn durchaus Probleme mit der Neuregelung und Elternproteste gegeben habe. Und er räumt auch ein, dass das Konzept Vor- und Nachteile beinhalte. Dennoch habe es aus den Reihen der Schulkonferenz niemanden gegeben, der sich für ein Zurück zur alten Regelung ausgesprochen hätte. Vertreten sind in dem Gremium Lehrer, Eltern und Schüler.
Eine bessere Ausstattung der Räume, da Materialen fest an einem Ort 'stationiert sind'. Ein Mehr an Sauberkeit, da die Räume während der Pausen abgeschlossen sind und jeder Lehrer auf seinen Raum ein Auge hat. Konstant pünktlicher Beginn des Unterrichts. Das sind drei Pluspunkte, die Schlie nennt. Ebenfalls positiv, aber auch ziemlich unerwartet: Ein Rückgang bei den Unfallmeldungen. Dies erklärt sich der Schulleiter damit, dass es in den Fünf-Minuten-Pausen keine Zeit mehr für 'Rangeleien' gebe. 'Die Schüler müssen ja von einem Raum zum nächsten.'
Nachteile? Schlie nennt die fehlenden 'Heimatklassen' für die Schüler, will diesen Punkt gleichwohl nicht überbewerten. Und die Tornister? Freiwillig kann jeder Schüler ein Schließfach mieten, für 1,50 Euro im Monat. Rund 300 Verträge seien bisher abgeschlossen worden bei 520 Schülern. Der Schulleiter sagt, er rechne noch mit Zuwachs. Die Schließfachschränke sind in der vergangenen Woche in den Fluren aufgestellt worden. Gleichwohl bestehe zumeist auch die Möglichkeit, Taschen zu Beginn der großenPausen in die Unterrichtsräume zu bringen, die anschließend abgeschlossen würden.
Komplizierter als sonst habe sich natürlich auch die Erstellung der Lehrpläne dargestellt. Schlie sagt aber, sein Stellvertreter, Ralf Kutschwalski, habe diese Aufgabe 'genial gelöst'.
Um die Ausstattung noch weiter zu verbessern, sei bereits beizeiten Geld zurückgelegt worden, das nun für ganz individuelle Wünsche zur Verfügung stehe. Pro Raum seien das 800 Euro -nicht jeder der rund 30 Lehrkräfte hat einen eigenen Raum, teilweise teilen sich zwei einen. Ein fest installierter Beamer plus Leinwand, Internetanschlüsse oder einfach ein neuer Anstrich, die Wunschliste war vielfältig.
Gereift sei die Idee für das Lehrerraumkonzept einst während mehrerer Fortbildungsveranstaltungen, erläutert Schlie. Eine Menge 'Lobendes' sei da zu hören gewesen. Der nächste Schritt habe dann darin bestanden, 'Erfahrungswerte' bei Schulen zu sammeln, die bereits ohne die 'alten Klassenzimmer' arbeiten, in Lengerich an der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule und an der Anne-Frank-Realschule in Ibbenbüren. Auch hier habe es 'im Ganzen positiv' geklungen.
In Westerkappeln scheint der 'American Way of School-Life' nun eine weitere dauerhafte und erfolgreiche Fortsetzung zu finden."

Westfälische Nachrichten vom 28. 10. 2006 - Foto: Paul Meyer zu Brickwedde