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Geograph Martin Fliegner bringt das Thema Klimawandel näher

20061026wtAus der Entfernung Probleme verdeutlichen

Geograph Martin Fliegner bringt mit Satellitenbildern Realschülern das Thema Klimawandel näher

"Die Weltreise dauert zwei mal 45 Minuten und führt über Südamerika und Afrika in die Südsee, ins Chinesische Meer, ins Himalaya-Gebirge, in die Alpen und nach Alaska und Grönland. Reiseleiter ist Diplom-Geograph Martin Fliegner aus Bochum, seine Mitreisenden sind Zehntklässler. Es war schon etwas Besonderes, was der Mitarbeiter von 'Germanwatch' jetzt an der Realschule geboten hat: Das Thema 'Klimawandel' brachte er mit modernster Satellitentechnik an seine jugendliche Klientel.
Und das bedeutete zum Beispiel: 10.30 Uhr, ein Livebild vom Tschadsee in Zentralafrika aus 700 Kilometer Höhe. Eine Sondergenehmigung mit Zugriffsrecht auf einen europäischen Wettersatelliten und das entsprechende Equipment machen es möglich.
Fliegner und ein Kollege, Holger Voigt, sind seit geraumer Zeit unterwegs, um über die globale Klimaentwicklung zu informieren. 2004 habe die nordrhein-westfälische Landesregierung das Projekt ins Leben gerufen, erläutert der Geograph. Als die Finanzierung ausgelaufen sei, habe die Stiftung Umwelt und Entwicklung den Kostenpart übernommen - mit im Boot ist außerdem noch das 'Eine-Welt-Netzwerk'. Seitdem sind die beiden Referenten nicht mehr nur zwischen Paderborn, Aachen und Rheine unterwegs, sondern praktisch in ganz Deutschland. Erreicht habe man bisher 22000 Schüler ab der fünften Klasse.
Vom Detail auf das Ganze gehen - nach diesem Motto bringt Fliegner den Schülern seine Botschaften rüber. Also erklärt er, dass Kühe bis zu 500 Liter Methangas pro Tag produzieren. Das trage neben Kohlendioxid wesentlich zur Erderwärmung bei. Und für das notwendige Viehfutter, Soja, wiederum werde in Südamerika Regenwald gerodet.
Zurück zum Tschadsee. Fliegner zeigt ein altes Schwarz-weiß-Satellitenbild. 25000 Quadratmeter groß sei das Gewässer im Jahr 1963 groß gewesen, also eine Fläche etwa wie Mecklenburg-Vorpommern. Er bringt weitere Aufnahmen auf die Leinwand. 1973, 1997,.. Der See wird zusehends kleiner. Dünen sind erkennbar, Wolken, ein Sandsturm. Ein Teil des Schrumpfungsprozesses sei nachweislich durch den natürlichen Klimawandel begründet, sagt der Geograph. Doch der Faktor Mensch habe mehr zu verantworten. Um wie viel Grad ist die Durchschnittstemperatur seit 1963 am Tschadsee gestiegen, will Fliegner dann von den Schülern wissen. Ein, zwei, drei, vier? 0,7 Grad, lautet seine Antwort, hätten gereicht für die dramatische Veränderung.
Er wolle mit seinen Aussagen keine Angst schüren, betont der 'Zwei-Stunden-Lehrer' gleichwohl. Vielmehr gehe es darum, klar zu machen, dass der Klimawandel Fakt sei und nun geklärt werden müsse, wie damit umzugehen ist.
Weiter geht's in die Südsee. Die Fidschi-Inseln sind das Ziel. Fliegner, der auch mit Nasa-Satellitenaufnahmen arbeitet, zoomt sich auf ein Eiland herunter. Was bedeutet es hier, wenn der Meeresspiegel steigt? Klar, die flache Insel wird kleiner. Aber fast ebenso dramatisch dürfte der Mangel an Trinkwasser für die Bewohner sein, erklärt er seinen jungen Zuhörern.
Dass der Meeresspiegel steigt, steht für Fliegner ebenfalls außer Frage. Diesmal zeigt er Aufnahmen von Gletschern in den Alpen, in Alaska und Grönland. Besonders in den vergangenen rund zehn Jahren werden starke Veränderungen sichtbar. Die so genannten Gletscherzungen werden kürzer und kürzer.
Ein dritte Feststellung macht der Geograph vor der Küste Chinas. Ein Taifun ist auf dem Satellitenbild zu sehen. Hohe Wassertemperaturen braucht es für die Entstehung dieser gewaltigen Wirbelstürme. In Zukunft sei grundsätzlich nicht mit mehr Taifunen und Hurrikans zu rechnen, stellt Fliegner klar. Aber aufgrund steigender Temperaturen in den Ozeanen mit mehr besonders starken Wirbelstürmen.
Keine gute Nachrichten. Dennoch endet die 'Aufklärungsstunde' mit Applaus. Fliegner hat die Zehntklässler mit seiner zweistündigen Klirma-Weltreise überzeugt."

Westfälische Nachrichten vom 26. 10. 2006 - Foto: Paul Meyer zu Brickwedde