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Schülerinnen der Realschule beweisen Courage

20061020wn"Rassistische Sprüche hört man immer wieder"

Schülerinnen der Realschule beweisen Courage

"Die Realschule Westerkappeln trägt seit Mai 2005 den Titel 'Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage'. Zwar haben die Schülerinnen, die das Projekt initiierten, die Schule mittlerweile verlassen. Aber viele andere sind in ihre Fußstapfen getreten, um weiterzumachen. Corinna Pöppelmann (16), Anne Kühl (15), Teresa Latzke (16) und Kristina Lenze (15) gehören dazu. Sie sind Anfang Oktober zum bundesweiten Schülertreffen der Aktion nach Bremen gefahren. WN-Mitarbeiterin Anke Beimdiek sprach mit ihnen über das Projekt, ihre Erfahrungen und Pläne.
Wie seid ihr zu dem Projekt gekommen?
Anne: Die Schülerinnen, die das Projekt angeleiert haben, haben es uns vorgestellt und erklärt. Ich fand das sehr interessant.
Teresa: Unsere Vorgänger waren Freunde von mir. So bin ich dazu gekommen.
Gab oder gibt es Rassismus an eurer Schule?
Kristina: Rassismus ist ein großes Wort. Unter diesen Begriff fällt viel, zum Beispiel kann auch schon Mobbing dazugehören. Und Mobbing gibt es an jeder Schule.
Anne: Mit dem Projekt wollen wir ja auch verhindern, dass so etwas wie Rassismus entsteht.
Wart ihr selbst schon einmal Zeuge von rassistischen Übergriffen?
Anne: Wenn man auf der Straße läuft, hört man immer wieder einmal rassistische Sprüche.
Auf der Rückfahrt aus Bremen ist euch doch auch so etwas passiert...
Anne: Wir waren zu viert mit dem Niedersachsenticket unterwegs. Und weil mit dem auch fünf Personen fahren können, hat uns ein dunkelhäutiger Schüler gefragt, ob wir das Ticket mit ihm teilen. In dem Abteil saß auch eine Gruppe von Männern ...
Teresa: ... die sehr nach Alkohol gestunken haben. Die wollten auf ihn losgehen, haben ihn beschimpft und bedroht.
Kristina: Wir sind aufgestanden und haben gesagt, könnt ihr das bitte lassen. Dann haben wir die Schaffnerin geholt.
Teresa: Der ganze Waggon saß voller Erwachsener. Das war sehr enttäuschend: Keiner hat eingegriffen.
Anne: Einige Erwachsene sind sogar weggegangen.
Was hat euch das bundesweite Schülertreffen in Bremen gebracht?
Corinna: Das war sehr lehrreich. Wir haben bei vielen Workshops mitgemacht.
Anne: Wir haben da viele Anregungen für Aktionen bekommen.
Was für Aktionen denn zum Beispiel?
Kristina: Wir planen eine Weihnachtsmarktaktion. Dort wollen wir mit einem eigenen Stand vertreten sein, an dem wir helle und dunkle Plätzchen verkaufen.
Teresa: Wir wollen auch ganz viel informieren. Vor allem auch bei den Fünftklässlern.
Kristina: Wir planen durch die Klassen zu gehen, um das Projekt erstmal bekannt zu machen.
Anne: Viele wissen nicht einmal, wer die Paten der Aktion sind.
Wer sind eure Paten?
Anne: Die Band 'Sodamaker' und die Jugendbildungsstätte Tecklenburg.
Um die Auszeichnung 'Schule ohne Rassismus -Schule mit Courage' dauerhaft zu behalten, muss man regelmäßig größere Aktionen planen. Habt ihr euch auch ein großes Projekt für die Zukunft vorgenommen?
Kristina: Wir müssen eine Unterschriftenaktion machen, an der sich mindestens 70 Prozent der Schüler beteiligen.
Corinna: Und wir wollen vielleicht ein großes Konzert mit Sodamaker organisieren. Aber es wäre ganz gut, wenn wir das mit einer anderen Schule machen würden.
Kristina: Deshalb wollen wir versuchen, Netzwerke zu anderen 'Schulen ohne Rassismus' aufzubauen - zum Beispiel zum Goethe-Gymnasium in Ibbenbüren."

Westfälische Nachrichten vom 20. 10. 2006 - Foto: Anke Beimdiek